ADAS-Kalibrierung: Pflicht oder Kür?
Fahrerassistenzsysteme (Advanced Driver Assistance Systems, ADAS) gehören inzwischen zur Standardausstattung moderner Fahrzeuge. Kameras, Radar- und Lidar-Sensoren überwachen den Verkehr, halten die Spur und bremsen im Notfall automatisch. Doch was passiert nach einem Windschutzscheibentausch oder einer Achsvermessung? Die Sensoren müssen neu kalibriert werden — und das ist keine Kür, sondern Pflicht.
Wann ist eine ADAS-Kalibrierung erforderlich?
Die Hersteller schreiben eine Neukalibrierung in zahlreichen Situationen vor:
- Windschutzscheibentausch (betrifft die Frontkamera)
- Achsvermessung oder Fahrwerksarbeiten
- Stoßfänger-Demontage (betrifft Radar- und Ultraschallsensoren)
- Karosseriearbeiten im Bereich der Sensorik
- Software-Updates der Steuergeräte
- Nach Unfallreparaturen
Wird die Kalibrierung unterlassen, funktionieren die Systeme möglicherweise fehlerhaft. Im schlimmsten Fall greift der Notbremsassistent nicht oder lenkt das Fahrzeug in die falsche Richtung. Die Werkstatt haftet für die fachgerechte Arbeit.
Statische vs. dynamische Kalibrierung
Es gibt zwei grundlegende Kalibrierverfahren. Bei der statischen Kalibrierung wird ein Target (Kalibriertafel) in definiertem Abstand und in definierter Position vor dem Fahrzeug aufgestellt. Das Steuergerät justiert die Kamera anhand des bekannten Musters. Dafür braucht die Werkstatt ausreichend Platz — je nach Hersteller bis zu 15 Meter ebene Fläche.
Die dynamische Kalibrierung erfolgt während einer Testfahrt. Das System erkennt Fahrbahnmarkierungen und andere Referenzpunkte und justiert sich selbst. Allerdings unterstützen nicht alle Fahrzeuge die dynamische Kalibrierung, und die Bedingungen (Wetter, Straßenqualität) müssen stimmen.
Investition und Wirtschaftlichkeit
Ein ADAS-Kalibriersystem kostet je nach Umfang zwischen 5.000 und 25.000 Euro. Hinzu kommen jährliche Softwareupdates. Die Wirtschaftlichkeit hängt von der Auslastung ab: Bei zwei bis drei Kalibrierungen pro Woche amortisiert sich ein System der Mittelklasse innerhalb von ein bis zwei Jahren.
Alternativ bieten mobile Kalibrierdienstleister ihre Services an. Das kann für kleinere Werkstätten eine sinnvolle Übergangslösung sein, reduziert aber die eigene Wertschöpfung.
Platzbedarf und Anforderungen
Für die statische Kalibrierung benötigen Sie einen ebenen, gut beleuchteten Bereich von mindestens 10 x 5 Metern, idealerweise mit kontrollierter Beleuchtung ohne direkte Sonneneinstrahlung. Der Boden muss eben sein, das Fahrzeug darf während der Kalibrierung nicht bewegt werden.